Goldenes Handtäschchen

Seit vier Jahren ist Saskia Olsson Geschäftsführerin der Starken Schule Baselland und hat sicher ein Dutzend Presskonferenzen selber bestritten. Aber jüngst in der Tageswoche wurden die 23-Jährige und ihre Kollegin Alina Isler als Erfüllungsgehilfinnen von Starke-Schule-Gründer und Landrat Jürg Wiedemann bezeichnet. Unterton des

Textes: Die Schülerinnen, die Wiedemanns faktenfreie Argumente in die Öffentlichkeit tragen. Olsson ist konsterniert: Ausgerechnet ein linkes Medium spricht ihr ab, als Frau eine eigene Meinung haben zu können, ausgerechnet ein Mann, der sich als Journalist aus dem goldenen Handtäschchen einer nicht unbedeutenden Mäzenin füttern lässt.

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Seit vier Jahren ist Saskia Olsson Geschäftsführerin der Starken Schule Baselland und hat sicher ein Dutzend Presskonferenzen selber bestritten. Aber jüngst in der Tageswoche wurden die 23-Jährige und ihre Kollegin Alina Isler als Erfüllungsgehilfinnen von Starke-Schule-Gründer und Landrat Jürg Wiedemann bezeichnet. Unterton des

Textes: Die Schülerinnen, die Wiedemanns faktenfreie Argumente in die Öffentlichkeit tragen. Olsson ist konsterniert: Ausgerechnet ein linkes Medium spricht ihr ab, als Frau eine eigene Meinung haben zu können, ausgerechnet ein Mann, der sich als Journalist aus dem goldenen Handtäschchen einer nicht unbedeutenden Mäzenin füttern lässt.

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25. November 2016

Trump-Wähler würden Mück wählen

So weit weg von amerikanischen Zuständen sind wir bei den Regierungswahlen in Basel gar nicht. Nicht, dass hier ein schmutziger Wahlkampf wie in den USA geführt worden ist. Auch im zweiten Wahlgang fällt er in der Stadt nach dem Gusto von Regierungsrat Christoph Eymann aus: lau und unaufgeregt.

 

So weit weg von amerikanischen Zuständen sind wir bei den Regierungswahlen in Basel gar nicht. Nicht, dass hier ein schmutziger Wahlkampf wie in den USA geführt worden ist. Auch im zweiten Wahlgang fällt er in der Stadt nach dem Gusto von Regierungsrat Christoph Eymann aus: lau und unaufgeregt. Leider bleiben dabei auch die klaren Positionen der Kandidaten, die Eymann so gerne hören würde, auf der Strecke.

«Würdest Du Mück oder Dürr wählen – was ist das kleinere Übel?», bin ich in diesen Tagen nur zu oft gefragt worden. Trump oder Hillary, hiess es im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen – eine Wahl zwischen Pest und Cholera, wurde kommentiert. Ähnlich gross ist das Wehklagen über die Qualität der Kandidaten in Basel. «Mück kann man nicht wählen“, sagen die Bürgerlichen, die Linke beisst sich auf die Lippen. «Dürr ist nicht wählbar», heisst es Querbeet durch die Bevölkerung, besonders nach dem jüngsten Dienstwagen-Gate von Baschi Dürr. Die Basler Zeitung enthüllte, dass er weit mehr in die Privilegiengeschichte verwickelt ist, als er je zugeben wollte. Inkontinente Erinnerungslücken. Clinton und ihre E-Mail-Affäre lässt grüssen.

Ja, heute steht der FDP-Kandidat für das Kader, das arrogant und abgehoben ist. Das war beim Ziehsohn der Pharma leider schon immer so. Man erinnert sich an den 18. Februar 2015, als er sich mit zwei Dutzend Personen von einem dreiachsigen Car vor dem Rathaus zum FCB-Match abholen liess, während der Normalbürger keine Zufahrtsbewilligung erhalten würde. Die Privilegien bei der wöchentlichen Verköstigung des Polizeikaders auf Staatskosten, das Festessen das Kaders beim FCB, während das Fussvolk im Kastenwagen übernachten musste, oder die Weiterbeschäftigung eines problematischem Polizisten an der Front – dafür steht Dürr. Der Beschützer der Privilegienreiter, der Obmann des Establishments. Dass er mit seinem schwarzen Hut und schwarzen Mantel an die Schlapphut-Karikatur «Spion» des Satiremagazins Mad erinnert, wenn er über die Spiegelgasse läuft,

ist ähnlich schrill wie Hillarys Parteiauftritte im Wahlkampf. Baschi, die Hillary von Basel.

Wenden wir uns Heidi Mück zu: Nicht dass sie je mit dem Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg wie Donald Trump glänzen könnte. Dafür ist sie vom Staat zu abhängig. Aber ums Geld ist es dem durchschnittlichen Trump-Wähler auch nie gegangen. Dieser sah sich ohnehin nicht durch die goldenen Suiten des Baulöwen im Trump-Tower von New York vertreten. Vielmehr spiegelt der amerikanische Verlierer der Globalisierung, jener Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz in den Hochburgen der Demokraten bedroht sieht, seine Hoffnungen in Trump. Ein unabhängiger Mann, der gegen das Establishment, der arroganten amerikanischen Elite und den Wall-Street- und Banken-Adel, ankämpft. Und hier findet dieser Trump-Wähler Positionen von Heidi Mück.

Die Ironie dabei ist, dass Mück am anderen Ende des Parteispektrum als Antikapitalistin genau dieselben Ängste wie Trump bedienen kann: gegen Banken, gegen die Tonangeber. Selbst ihre Abgrenzung von den Juden, ihren Boykott-Aufrufe für Produkte aus Israel sind gleichsam bizarr, wie Trumps Befehl zum Mauerbau, zur Abgrenzung der Mexikaner, die seiner Meinung nach allesamt kriminell sind. Ganz links gleichen die Positionen eben auch denjenigen von ganz rechts.

Mück ist eine Frau, die sich «von unten» aus einer Beizerfamilie, in die Politik vorgearbeitet hat, sich aber nie im „Daig“ von Basel vernetzen konnte und auf Quartiervereinsniveau stehen geblieben ist. Wir wundern uns darum nicht, dass viele SP-ler insgeheim hoffen, Mück würde nie das Rennen machen und ihr die Unterstützung verweigern. Deren Vorstellung, das unbedarft scheinende Wesen aus dem Kleinbasel würde SP-Finanzdirektorin Eva Herzog in einer Regierungssitzung widersprechen müssen, ist insbesondere den Genossinnen zutiefst zuwider. Und so ist Mück in eine ähnliche Lage versetzt wie Trump, der bei den republikanischen Parteioberen Fremdschämgefühle auslöste.

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Die SP Basel ist in der Frage der Unterstützung von Heidi Mück intern ähnlich zerrissen, wie es die Republikaner bei Donald Trump waren.

Die Botschaft der verrückten Wahl in den USA setzt elektrisierende Kräfte frei. Auch in Basel. Die Macht gehört nicht den Leuten, die an den Hebeln sitzen. Die Macht gehört dem Volk. Und man ist geneigt, gerade deshalb dem frischen Wind von Heidi Mück die Fenster zu öffnen.

Und ganz am Schluss erinnert man sich an Lorenz Nägelin von der SVP. Doch gibt es diesen unsichtbaren dritten Mann überhaupt noch? Hat der sich nicht aus dem Wahlkampf verabschiedet, wie wie ein Bernie Sanders auf der anderen Seite des Atlantiks? Hillary oder Trump – es war mir egal, wer gewählt wurde; für mich blieb der 8. Dezember 2016 ein schwarzer Tag. Mück oder Dürr in Basel? Wer das kleinere Übel für die Stadt ist, kann ich nicht sagen. Aber, die Wahl von Heidi Mück würde mich ähnlich elektrisieren wie die Trump-Wahl. Mein Bleistift ist für nächsten vier Jahre gespitzt.duerr

24. November 2016

Alles seine Richtigkeit

In der Schweiz muss alles seinen korrekten Weg gehen. Das wird besonders vom Gericht verlangt, auch wenn es zu Realsatire führt. So verlas der Richter Mitte April 2015 am Baselbieter Strafgericht das Urteil für einen Pädophilen,

In der Schweiz muss alles seinen korrekten Weg gehen. Das wird besonders vom Gericht verlangt, auch wenn es zu Realsatire führt. So verlas der Richter Mitte April 2015 am Baselbieter Strafgericht das Urteil für einen Pädophilen, der einem achtjährigen Mädchen den Analbereich mit einem Dildo geweitet hatte. Und nachdem er den Täter fürs seine perverse Tat ins Gefängnis schickte und dem Opfer eine Genugtuung von 15’000 Franken zusprach, fuhr er mit unveränderlicher Stimme in Schweizer Präzision weiter: „Folgende eingezogene Tatwerkzeuge werden dem Beschuldigten wieder ausgehändigt: Ein Dildo rosarot,

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der Marke Deep Rose. Ein Dildo violett, der Marke Cavalier Blackberry. Die beschlagnahmten Vermögenswerte können nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils in Empfang genommen werden..

Werden die Tatwerkzeuge nicht abgeholt, führt sie das Gericht 30 Tage nach erwachsen in Rechtskraft der Verwertung zu.“ Dass der Pädophile nach Schadenersatz, Genugtuung, Gerichts- und Anwaltskosten, die er zu bezahlen hat, vom Baselbieter Gericht noch zwei Dildos im Wert von etwa 35-Franken zurückerstattet erhält, war nicht ironisch gemeint. Vermutlich werden auch die Batterien beiliegen. Aktennotiz „gebraucht“. Ob der Beschuldigte je die Tatwerkzeuge zurückverlangen wird, bleibt an dieser Stelle offen. Ebenso, wie der das Gericht ein eventueller „Verwertungserlös“ verwenden würde. Aber wer will schon einen Dildo ersteigern, der einst in einem Füdli einer Achtjährigen steckte.

2. Mai 2015

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